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»Schattenbraut«

Eine Hochzeit wird arrangiert, bei der die jeweiligen Elternpaare ganz unterschiedliche, aber sehr praktische Interessen verfolgen. Die einen wollen ihre Finanzen aufbessern, die anderen ihren Familiennamen adeln. Doch die Braut Victoria und der Bräutigam Victor, die sich gegenseitig noch gar nicht kennen, sehnen sich nach der wahren Liebe. Von Glücksgefühlen durchdrungen, vermählt sich Victor eines Tages - aus Versehen - mit einer Toten. Die Spieler vom "Statttheater" der Klinik für Forensische Psychiatrie des Städtischen Klinikums "St. Georg" Leipzig zeigen auf komödiantische Weise eine alte Geschichte, die auf der russischen Sage "Die Leichenbraut" basiert und entnehmen dabei Anleihen aus Tim Burtons Animationsfilm "Corpse Bride". Am 3. und 6. Juni gibt es öffentliche Aufführungen ...  [www.nato-leipzig.de].

Statttheater

Alles begann vor zehn Jahren mit dem Stück "Der kleine Erlkönig". Dessen Premiere fand im Zimeliensaal des Leipziger Grassimuseums statt bei einem Festakt, zu dem die Klinik für Forensische Psychiatrie des Städtischen Klinikums "St. Georg" Leipzig anlässlich ihres damals 10-jährigen Bestehens eingeladen hatte. Die Erfahrungen sowohl für Mitarbeiter und Patienten waren positiv, so dass das Projekt weitergeführt wurde. Über die Jahre kamen Stücke von "Hamlet" über "Faust" hin zu Charles Dickens "Die Weihnachtsgeschichte", Stoffe aus Oper und Ballett wie "Der Freischütz", "Schwanensee" und "Der fliegende Holländer", auch mythologische und märchenhafte Geschichten wie der indische Mythos "Mahabharata" und Märchen aus Japan "Nihon no otogibanshi", ebenso "Ein Western", "Eine Bettleroper" und "Ritter Georg, der Drachentöter". Alle Szenarien schuf Larsen Sechert.

Durchweg stand das Geschehen innerhalb der Proben im Vordergrund. Am Ende gab es stets je zwei oder drei öffentliche Aufführungen. Mit der Zeit hat sich vieles weiterentwickelt. Waren die Kostüme in den Anfangsjahren noch ausgediente Sachen des Klinikpersonals, werden sie seit geraumer Zeit wie das Bühnenbild auch von den Patienten selbst hergestellt. Inzwischen sammelte sich ein ganzer Fundus an Kostümen und Requisiten. Auch beim Bühnenbau sind Patienten beteiligt. Mitunter wirken Patienten aus der Arbeitsgemeinschaft Musik mit.

Die Patienten erleben sich und wir erleben sie. Das Theaterspiel fordert Unterordnung, Bindung, Disziplin. Und weil dies Klarheit schafft, bessern sich auch Angst- und Frustrationstoleranz und finden Schöpferkraft wie Freude ihren Weg.

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